Römische Politik in Gallien und Germanien im augusteischen Zeitalter

DSC03360_1Die Region Germanien und Gallien war in der Regierungszeit des Augustus und Tiberius einer der Hotspots des Imperium Romanum. In dieser Zeit war das Interesse der Zentrale des Reiches sehr auf den gallischen Raum, die Alpen, die Gebiete an Rhein und oberer Donau gerichtet. Der Kaiser selbst oder Jemand aus seiner Familie hielten sich sehr oft in dieser Gegend auf. Dem Reich wurden neue Gegenden hinzugefügt, danach befriedet und eine Administration aufgebaut. In diesem Zeitraum waren sie die Kriegsherren die ihrem selbstverständlichen Anspruch auf die Weltherrschaft Ausdruck verliehen.

Historische Geographie Germaniens

Bei der hier behandelten Region bilden der Rhein und die Donau die Demarkationslinie zwischen dem römischen Reich und den nicht befriedeten Gebieten Germaniens. Die Nordeuropäische Ebene, das Hochland Mitteleuropas und das Alpenvorland, mit den daran anschließenden Alpen bilden sehr unterschiedliche topographische Zonen. Das Landschaftsbild von 15. v. Chr. bis heute, unterschied sich nur wenig von dem Heutigen, eine Ausnahme bildet das Küstengebiet. Es ist sehr wahrscheinlich das die Küstenlinie sich im Laufe der Zeit rund 2 km südlich und östlich verschoben hat, denn der Meeresspiegel in der Zone des Ärmelkanals und der Nordsee ist gestiegen. Von verschiedenen Fachleuten diskutiert wird die Frage, ob die Region damals dichter bewaldet war als heute, es gibt noch keinen Konsens. So kann man nur fest stellen, dass die Unterschiede zwischen der Landschaft von vor ca. 2000 Jahren und heute kultureller Art sind. Die Landschaft Mitteleuropas war zur  Zeit des Prinzipats bereits eine Kulturlandschaft, die schon seit dem Beginn der Eisenzeit, zum Beispiel durch die starke Abholzung der Wälder und die landwirtschaftliche Bearbeitung der Böden stark verändert war. Eine weitere Veränderung erfolgte durch die Entwicklung neuer Technologien in der Landwirtschaft.

Die Germanen und Kelten

Die Ahnen der Germanen und Kelten waren die Indogermanen, die etwa im dritten Jahrtausend als selbstständige Völkerfamilie hervorgetreten sind. Wie Bodenfunde bezeugen, überlagerten die Indogermanen sesshaft gewordene bäuerliche Völkerschaften. Sie übernahmen teilweise die vorgefundene bodenständige Kultur und es entstanden neue Völker, von denen die Germanen, Kelten, Italiker und Slawen die größte Bedeutung erlangten.

Westliche Germanenstämme stießen in Mitteleuropa auf die Bandkeramiker, aus der Verschmelzung mit Ihnen gingen die Kelten, – auch Gallier genannt – hervor, die den Raum vom deutschen Mittelgebirge bis zu den Alpen und der Ungarischen Tiefebene hin besetzten. Der Kelten lebten in Einzelgehöften, Dörfern und stadtähnlichen Märkten, die auf Bergen lagen und befestigt waren. Sie betrieben Ackerbau und Viehzucht, beuteten Eisenlager und Goldgruben aus. Politisch bildeten Sie keine Einheit.

Als die Keimzelle der Germanen wird die so genannte Jastorfkultur aus dem südlichen Schweden, der Jütischen Halbinsel, in Norddeutschland genannt Als Sprachgruppe sind die Germanen am besten fassbar. Die germanisch sprechenden Menschen verstanden sich untereinander, doch diese sprachliche Nähe hatte noch nicht zu einem Gemeinschaftsbewusstsein geführt. Das Miteinander war durch kriegerische Auseinandersetzungen geprägt. Die Germanen lebten von Ackerbau, Viehzucht und der Jagt. Die Töpferei, Weberei und der Schmiedebetrieb war bereits bekannt.

Augustus als Friedensfürst

Die Ermordung Caesars hatte den zweiten Bürgerkrieg ausgelöst und der zum Alleinerben und Adoptivsohn Caesars bestimmte Octavian, stellte nun politische Ansprüche.  

Um 32 v. Chr. kam es zum offenen Kampf um die Herrschaft im Römischen Reich. Der Seekrieg bei Actium vom September 31 v. Chr. brachte die Entscheidung für den Sieg von Octavian gegen Marc Antonius, Konsul und ehemaliger Freund sowie engster Vertrauter Caesars.

27 v. Chr. gab Octavian alle außerordentlichen Vollmachten feierlich an den Senat zurück. Dieser verlieh ihm den Titel Augustus, sowie die Rechte eines Prokonsuls und eines Volkstribuns. Er hatte fast 100 Jahre Bürgerkrieg beendet und die “kollektive Herrschaft der Aristokratie“ durch eine versteckte Militärdiktatur ersetzt, er schuf als Schöpfer des Prinzipats ein doppelbödiges politisches (Kommunikations-)system und belebte die alten politischen Institutionen und Verfahren der Republik wieder. (Winterling, 2004 S.15). Nach dem der Konflikt mit dem Partherreich durch Verhandlungen beigelegt war, schloss der Senat die Tore des Janus-Tempels und ließ ein augurium salutis veranstalten. Es begann eine Zeit des Friedens.

Doch war Augustus wirklich ein Friedensfürst?

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Ara Pacis, Rom

Schon ein Jahr nach der Saecularfeier verließ Augustus Rom und begann in Gallien die Grundlagen für eine römische Expansionspolitik nach Germanien zu schaffen.

Augustus ordnete die Provinzen neu.

27 v. Chr. unterteilt er das Land erneut in drei Territorien und beachtete dabei die sprachlichen und ethischen Voraussetzungen. Er nahm  nun die neuen Provinzen Aquitana Belgica und Lugudensis unter seine kaiserliche Obhut. Die Provinz Narbonen erhielt der Senat.

Nach der Schlacht bei Actium bildete das größte Problem des Siegers die weitere Verwendung der Truppen, sowohl der eigenen wie der des Antonius denn die Unterhaltung des Heeres war auch eine Kostenfrage.

Augustus übernahm nach dem die res publica wieder hergestellt war den Schutz des Staates, dadurch war es möglich, dass er weiter auf seine außerordentlichen Machtmittel zurück greifen konnte, er hatte das durch den Schutzgedanken gerechtfertigt.

Augustus verfolgte expansive Ziele um seine führende Stellung durch militärische Erfolge zu legitimieren, gleichzeitig sollte diese Außenpolitik dazu dienen, dass ihm übertragene imperium proconsulare zu rechtfertigen.

Die Deutung der Außenpolitik ist in der modernen Forschung noch immer kontrovers. Bis in die jüngste Zeit wird die Auffassung vertreten, Augustus habe eine im Prinzip defensive Außenpolitik betrieben.

Das Wissen um diese Ereignisse basiert einerseits auf Berichten der antiken Geschichtsschreibung, anderseits auf Grabungsergebnissen in den rechts- und linksrheinischen Militärlagern. Aufgrund der Quellenlage kristallisieren sich für die Jahre 12 v. Chr. bis 16 n. Chr. drei Hauptphasen heraus:

Erstens: 12 – 9 v. Chr.  die Feldzüge des Drusus,

zweitens: 1-4 n. Chr. die Feldzüge des Tiberius und 7-9 n. Chr. des Varus,

drittens: 14 – 16 n. Chr. die Feldzüge des Germanicus

Diese Phasen sind noch genauer zu betrachten.

Um 17 v. Chr. wird bereits die erste Moselbrücke bei Trier gebaut Sie bildet eine Verbindung der Straßen zwischen Lyon und Köln.

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Dritte Moselbrücke, Trier

Fortsetzung folgt!

Quellen:

Augustus, Res gestae. Tatenbericht, lat-griech.-dt., hrsg. von Marion Giebel, Stuttgart 2004.

Cassius Dio, Römische Geschichte, Bd. IV, übers. von Otto Veh, Düsseldorf 2007

Livius, Titus, Ab urbe conditia Liber XXVI Römische Geschichte 26. Buch, Der Zweite punische Krieg VI, lat-dt., hrsg. von Ursula Blank-Sangmeister, Stuttgart 2004.

Livius, Titus, Ab urbe conditia Liber XXVI Römische Geschichte 25. Buch, Der Zweite punische Krieg V, lat-dt., hrsg. von Ursula Blank-Sangmeister, Stuttgart 2006.

Paterculus, Velleius C., Historia Romana Römische Geschichte, lat-dt., übers. u. hrsg. von Marion Giebel, Ausgabe 2004 Stuttgart.

Tacitus, P. Cornelius, Annalen I-VI, übers., Einl. u. Anm. von Walter Sontheimer, Stuttgart 2007, S.-S.

Tacitus, P. Cornelius, Annalen XI-XVI, übers. u. Anm. von Walter Sontheimer, Stuttgart 2006.

Tacitus, P. Cornelius, Germania, übers. u. Erl. u. Nachw. von Manfred Fuhrmann, Stuttgart 1997.

Tacitus, P. Cornelius, Historiae Historien, lat-dt., übers. u. hrsg. von HelmuthVretska, Stuttgart 1997.

Suetonius Tranquillus, Sämtliche erhaltene Werke, bearbeitet von Franz Schön und Gerhard Waldherr, Einf. von Franz Schön, Essen 2004.

Literatur:

Baatz, Dietwulf (Hrsg.), Herrmann, Fritz-Rudolf (Hrsg.), Die Römer in Hessen, Stuttgart 1982.

Czysz, Wolfgang / Dietz, Karlheinz/Fischer, Thomas/Kellner, Hans-Jörg: Die Römer in Bayern, Stuttgart 1995

Goetz, H.- W. / Welwei, K.-W.(Hrsg.), Altes Germanien, Auszüge aus den Antiken Quellen über die Germanen und Ihre Beziehungen zum römischen Reich, Quellen der Alten Geschichte bis zum Jahre 238. n. Chr., erster Teil, Darmstadt 1995

Kienast, Dietmar, Augustus, Darmstadt 1999.

Kornemann, Ernst, Tiberius, Stuttgart 1960

Schlange-Schöningen, Heinrich, Augustus, Darmstadt 2005

Wells, Peter S., The Barbarians Speak. How the conquered peoples shaped roman Europe, New Jersey 1999.

Fotos und Text © Heidi Göritz

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