Das Praetorium in Köln

Köln. Das römische Praetorium in Köln entwickelte sich vom Haus des Germanicus, das Hauptquartier der unter- und obergermanischen Heeresgruppe am Rhein, zum repräsentativen Statthalterpalast, in dem die römische Herrschaft in der Provinz Niedergermanien repräsentiert wurde. Mehrmals schwer zerstört entstand er immer wieder neu in formvollendeter Schönheit. Statthalter und römische Kaiser residierten hier und führten ihre Staatsgeschäfte, bis den Palast im 5. Jh. die fränkischen Könige in Besitz nahmen.

Am 19. August 14 starb Augustus. Sein Tod und sein Testament löste bei der Rheinarmee eine Meuterei aus. Die Legionäre beschwerten sich über lange Dienstzeiten, geringen Sold und die harte Disziplin. Der Statthalter und Oberbefehlshaber der unter- und obergermanischen Heeresgruppe am Rhein, Germanicus war mit der Zensusschätzung in Gallien beschäftigt. Nach seiner Rückkehr brachte er die Legionäre durch Zugeständnisse zum Ablegen des Loyalitätseides für Tiberius. Als jedoch eine Abordnung des Senates Germanicus das imperium proconsulare überbrachte, flammte bei der 1. und 20. Legion an ihrem Standort Köln die Empörung so richtig auf. Germanicus wurde bedroht:

“ In tiefer Nacht begannen sie die Herausgabe der Fahne die im Hause des Germanicus verwahrt war zu fordern. Es kam zu einer Zusammenrottung an der Türe und sie sprengten die Türe auf. Dann rissen sie den Caesar aus seinen Bett und zwangen ihn unter Bedrohung mit dem Tode, die Fahne herauszugeben […]“ [Tac. Ann. 1.39]

Es liegt die Vermutung nahe, dass Tacitus hier mit dem Haus des Germanicus das älteste erfasste Gebäude des Praetoriums, das noch als Hauptquartier der niederrheinischen Armee genutzt wurde, erwähnte.

Die Baugeschichte des Praetoriums ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Experten haben sie in mehrere Phasen unterteilt.

Anfangsphase

Sie beginnt, wie bei Tacitus benannt, mit dem Haus des Germanicus. Seit den 80er Jahren des ersten Jahrhunderts entstand daraus der Statthalterpalast.  Das Gebäude stand mit einem Porticus zur Rheinseite, später wurde im Süden des Hauses eine Halle mit einer Apsis im Osten gebaut. So entstanden im Laufe der Zeit die Grundstrukturen des Palastes mit zwei großen Baukomplexen zur Rheinseite, von der Stadtmauer aus westlich gesehen, mit zwei Atrien die nach Westen hin ausgerichtet sind. Sie weisen zur Rheinseite sehr repräsentative Räume aus. Im Norden und Süden entstanden Atrien mit großen Raumfluchten.

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Praetorium und Regina Bauzustand im 1. Jahrhundert, Praetorium Köln
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Die älteren Bauten aus dem ersten und zweiten Jahrhundert sind im Vordergrund, im Hintergrund sind Teile der Fassade des Praetoriums aus dem vierten Jahrhundert zu sehen, Praetorium Köln
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Die älteren Bauten aus dem ersten und zweiten Jahrhundert sind im Vordergrund, im Hintergrund sind Teile der Fassade des Praetoriums aus dem vierten Jahrhundert zu sehen, Praetorium Köln
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Ein Wasserbecken führt über einen Kanal das Abwasser in den Rhein. Den Rest einer großen Apsis sieht man auf der linken Seite, in der Mitte ist eine Mauer die abwechselnd Schichten aus Ziegeln und aus Tuff besteht, sie gehörte zu einer Umbauphase.

In drei weiteren Hauptbauphasen wurde dieser Gebäudekomplex immer palastartiger und repräsentativer ausgebaut. Dazu ist ein Hang an der Ostseite mit großen Erdmassen aufgefüllt worden, dadurch stand mehr Platz für das Bauvorhaben zur Verfügung. Die Ostfassade konnte nun über eine Kante am Hang in Richtung Altermarkt erweitert werden. Das Gebäude erstreckte sich über vier insulae.

Fast hundert Jahre dauerte die nächste Bauperiode, in der die ganz klare Gliederung der Front des Gebäudes verloren ging. Wahrscheinlich nach der Erhebung der ursprünglichen Siedlung zur Kolonie „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ (Agrippina) 50 n. Chr. unter

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Kaiser Claudius, Praetorium Köln

Kaiser Claudius begannen weitere der Umbauten. Es entstand eine neue vorgeschobene Porticusanlage, in dem die porticus an der Rheinseite in eine Kryptoporticus (unterirdischen Gewölbegang) umgestaltet wurde. Den nördlichen Abschnitt schloss ein Gebäude mit tiefen Konchen („halbrunde Nischen die nach oben mit einer Halbkuppel“ abgeschlossen sind) ab.

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Praetorium, Praetorium Köln

Auch eine schriftliche Quelle die Überlieferung von Sueton  über Vitelius  u. a., über seine Erhebung als Statthalter der Provinz  trägt dazu bei diesen Gebäudekomplex als praetorium, den Amtsitz des Oberbefehlshabers der römischen Truppen am unteren Rhein und seit 85 n. Chr. Sitz des Statthalters der Provinz zu deuten.

„[…]Kaum war daher ein Monat um, da holten ihn die Soldaten ohne Rücksicht auf Tag und Stunde, als bereits der Abend angebrochen war, plötzlich so wie er war, in seinem Hauskleid aus seinem Schlafzimmer und riefen ihn zum Kaiser aus.[…] Er kehrte erst ins Hauptquartier zurück, als das Speisezimmer durch das Kaminfeuer in Brand geraten war und in Flammen stand. Als darüber alle bestürzt  und wie über ein böses Vorzeichen in großer Furcht waren, sprach er ‚Seid guten Muts! Es ist für uns aufgeleuchtet!‘ […] Als darauf auch das Heer von Obergermanien […] mit ihm gemeinsame Sache machte, nahm er den Namen Germanicus […] an […].“ [Suet. Vit. 8]

Ebenfall schwer rekonstruieren lässt sich die nächste Periode der Baugeschichte. Experten fanden eine Inschrift in der die Erneuerung des Praetoriums  durch Quintilius Tarquitius Catulus um 180 n. Chr. angezeigt wurde.

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Weihestein, Praetorium Köln

„DIS CONSER/ VATORIB[VS] Q[UINTUS] TAR/QVITIVS CATV[L]/ VS LEG[ATUS] AVG[USTI] CVIV[S] CVRA PRAETOR[R]/IVM IN RVINA[M CO] NLAPSVM A [D NO] VAM FACIEM [EST] RESTITVTV[M]“

„Den erhaltenden Göttern [geweiht von] Quintilius Tarquitius Catulus, dem Statthalter des Kaisers unter dessen Verantwortung das zur Ruine zerfallenen Praetorium in neuer Gestalt wiederhergestellt wurde.“(Schütte, 2012,S.63 )

Es handelt sich hier um einen Weihestein  an „Di Conservatores“ und sie bringt zum Ausdruck, das das Praetorium „in ruinam conlapsum“ ist.

Der Neubau lässt sich also in die Zeit des Statthalters und späteren Kaisers Didius Julianus (30. Januar 133 in Mailand; † 2. Juni 193 in Rom) datieren. Er war von ca. 180/181-184/85 Statthalter von Niedergermanien.

In der nächsten Phase, die bis zum 4. Jahrhundert dauerte, stand an der Rheinseite ein langgestreckter Porticus mit zwei Flügeln im Norden und Süden, aus denen entstanden die späteren Apsidensäle.

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Praetorium Köln

Das Hofzeremoniell des Statthalters von Rom und römischen Kaisers gab nun die Grundstruktur vor.

Der neue Ausbau in spätflavischer Zeit hängt mit der Einrichtung der Provinz Niedergermanien zusammen. Vor dem Praetorium im Osten entstand eine Stadtmauer. Durch viele Anbauten verlor das Gebäude auf der Rheinseite seine klare Gliederung.

Die Kaiser des Gallischen Sonderreiches residierten nun im Praetorium und nutzten es als Kaiserpalast.

Einen Beweis für die Existenz des Praetoriums bildet auch diese schriftliche Quelle, eine Erzählung von Ammianus Marcellinus über die Ermordung des Ursupators Silvanus in Köln, aus dem Jahr 355. Er spricht hier von der „regia“, dass legt die Vermutung nahe, das es sich ebenfalls um den Statthalterpalast handelt. Marcellinus berichtet auch vom „conventiculum “ damit ist ein Nachweis über die  frühen Christen in Köln möglich.

„[…] obscuritate ipsa ad id patrandum idones praemiorum  expectatione accensus solis ortu iam rutilo subitus armatorum globus erupit atque, ut solet in dubiis rebus, audientor caesis custodibs regia penetrata Silvarum extractum aedicula, quo exanimatus confugerat, ad conventiculum ritus christiani tendentem densis gladiorum ictibus trucidarant.[…] „

[…] brach bereits beim ersten Morgenrot plötzlich eine Schar Bewaffneter hervor und machte tollkün, wie man in einer zweifelhaften Lage zu handeln pflegt, die Wachen nieder, drang in den Palast ein, zerrte Silvanus aus einer kleinen Nische hervor, wohin er sich erschöpft geflüchtet hatte, und sie ermordeten ihn mit vielen Schwerthieben, als er sich zum Versammlungsraum für den christlichen Kult wandte […]“ [Marcellinus XV. 8]

Nach der Ermordung von Silvanus erschienen zum wiederholten Male Franken auf dem Gebiet von Köln, sie belagerten die Stadt zwei Monate lang. Sie fiel im November 355. Das Praetorium symbolisierte die staatliche Macht von Rom und es wurde dabei wahrscheinlich erheblich zerstört.

Die jüngsten freigelegten Teile der letzten Bauphase im 4. Jh. weisen auf eine grundsätzliche Erneuerung in zwei Bauphasen im Stil eines spätantiken Palastes hin. Die freigelegten Mauern weisen nun wieder eine klare Gliederung auf. Heute noch sichtbar wenn auch nur in Teilen ist eine mit Pilastern gegliederte Frontmauer. Ein Oktrogon, das wahrscheinlich überkuppelt war, steht im Zentrum, dem sind große rechteckige Hallen nach Norden und Süden angegliedert. An diese Hallen schließen sich Korridore an. Innerhalb des Oktrogons befindet sich ein quadratischer Sockel, vielleicht trug er eine Statue. Die Treppen zum Oktrogon führen von einer Schmalseite hinauf, würde man der Schmalseite in die entgegen gesetzte Richtung folgen, käme man in einen großen Innenhof, der zu Flügelbauten mit kleineren Räumen führte.

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Praetorium – Oktrogon, Köln
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Praetorium – Oktrogon, Köln

Alles in allem ein gewaltiger Bau, der auch eine aufwendige Farbfassung besaß, die in den Innenräumen weitergeführt wurde .

Im Süden grenzte eine große Basilika an, sie blieb erhalten.

Das Praetorium war der repräsentativste, spätantike Bau von Köln, für den es keine Parallelen gibt.

Im 5. Jh. übernahmen die Franken Köln und ein rheinfränkisches Königtum etablierte sich. Das Praetorium diente den fränkischen Königen als Residenz

Aus dieser Dynastie sind zwei Namen bekannt: Sigibert, er kämpfte 496/97 in der Schlacht bei Zülpich und seinen Sohn Chloderich.

Der Palast soll wohl durch ein Erdbeben etwa 780/790 zerstört worden sein.

Er ist heute zu besichtigen unter dem Rathaus in Köln.

Köln plant eine Archäologische Zone, das ist jedoch eine Geschichte aus der Gegenwart.

#IronBloggerHistory Februar

Quellen:

Goetz, H.-W., Welwei, K.-W.(Hrsg.), Altes Germanien, 2 Teilbände, Darmstadt 1995.

Literatur:

Eck, W.: Köln in römischer Zeit. Geschichte einer Stadt im Rahmen des Imperium Romanum, Köln (Geschichte der Stadt Köln).

Horn, H.-G. (Hrsg.), Die Römer in Nordrhein-Westfalen, Stuttgart 1987

Schütte, S.(Hrsg.), Gechter, M., : Von der Ausgrabung zum Museum-Kölner Archäologie zwischen Rathaus und Praetorium. Ergebnisse und Materialien 2006 -2012, Köln 2012

Fotos und Text © Heidi Göritz

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Vielen Dank, das macht Mut! Bis bald!

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  2. bloggaround sagt:

    Salve! Was ein toller Blogbeitrag! Allgemein finde ich Deinen Blog sehr informativ und als Lateinfan toll umgesetzt. Mach weiter so;-)

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