Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus

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Marcus Ulpius Traianus, Standbild im Archäologischen Park Xanten

Unter Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung. Er eroberte Dakien, gliederte Arabien an und begann einen Krieg gegen die Parther, der nach großen Anfangserfolgen mit einer Niederlage endete. Trajan agierte als Kaiser kraftvoll, aber auch human und schlicht. Er bekam in Anerkennung seiner Person den Titel „optimus princeps “ vom Senat verliehen.

Seit Augustus sind die ehrenvollen Tugenden eines Kaisers, Tapferkeit (virtus), Milde (clementia), Gerechtigkeit (iustitia) und Pflichterfüllung. Aufgeschrieben auf einem goldenenen Ehrenschild, das im Sitzungssaal des Hauses von Augustus, der Curia Julia, aufgehängt wurde. Die Stellung des Kaisers, als Erster unter Gleichen, entsprach auch Trajan.

Was hat Trajan, in so eine hervorgehobene Stellung im Vergleich zu anderen Kaisern gebracht?

Traianus gehörte zu den so genannten Adoptivkaisern, dem von Cocceius Nerva begründetem Prinzip.

Am 17. September 53 in Ilalica geboren, erhielt er die Nachricht seiner Thronerhebung in Köln.

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Plan vom Praetorium Köln, Palast und Amtssitz des Provinzstatthalters der Germania inferior
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Praetorium Köln, Palast und Amtssitz des Provinzstatthalters der Germania inferior

Trotz Nervas Tod, führte er erst seine Aufgabe an der Reichsgrenze, die seit dem Aufstand der Legionen unter Domitian gefährdet schien, zu Ende. Er begann mit dem Bau der Straße Mainz-Stettfeld-Cannstadt-Urspring-Augsburg und dem Neckar-Odenwald-Limes und schob seinen Einzug in Rom nahezu zwei Jahre auf.

In Rom, ab Herbst 99 suchte der Kaiser sowohl eine enge Anlehnung an den Senat, als auch eine feste Verbindung mit den Legionen und

„Besondere Aufmerksamkeit widmete der dem allgemeinen Wohl, in dem er den italischen Städten beispielsweise für Kindererziehung große Unterstützung gewährte; und ebenso ließ er besseren Bürgern Vergünstigungen zuteil werden.“ (Cass. Dio 58,5,4)

Damit erweiterte er die von seinem Vorgänger Nerva gegründete „alimenta“ , eine Erziehungsstiftung, in der der Staat Jungen bis zum 18. und Mädchen bis zum 14. Lebensjahr Kindergeld zahlte. Das war die erste finanzielle soziale Hilfeleistung, die nur auf das Kernland Italien beschränkt war, um arme aber frei geborenen Kinder „alimentarii pueri et puellae“ zu unterstützten. (Der kleine Pauly, Bd 5, Sp: 256-257)

Damit wurde ein Anreiz geschaffen die Geburtenrate zu erhöhen und wehrfähiges Potential zu erhalten, denn es wurden neue Rekruten benötigt um die Grenzen des Reiches dauerhaft zu schützen, so Plinus:

„[…] So sollten sie von frühester Kindheit an durch deine Erziehungeshilfe dich als den gemeinsamen Vater aller kennenlernen, sollten auf deine Kosten herranwachsen, […]sollten jetzt dein Pflegegeld und später deinen Sold erhalten, […]. (Plin.epist.paneg. 26,3)

101/102 führte er den ersten Dakerfeldzug zum Sieg und feierte als fähiger Militär in Rom  seinen ersten Triumph. Der zweiten Dakerfeldzug, 105/106 verlief ebenfalls siegreich, dementsprechend bekam er 107 seinen zweiten Triumph ebenfalls in Rom. Dakien wurde römische Provinz.

Nach den Dakerkriegen folgten sieben ruhige Jahre, trotz der Ausgaben für den Krieg, senkte er die Steuerlast und erweiterte die Erziehungsstiftung,

Kein anderer Kaiser hat soviel gebaut. Zu dem großen Bau des Trajansforum,

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Trajansforum, Rom

kamen Nutzbauten in Italien und in den Provinzen: Straßen, Brücken, Häfen, Wasserleitungen und vieles mehr. So hat er z. B. den Hafen von Ostia, um ein großes Hafenbecken, erweitern lassen, damit fanden auch die größten Handelsschiffe der damaligen Zeit Platz, um ihre Ladung zu löschen. Ostia war eine Hafenstadt an der Flussmündung des Tiber und diente der Warenversorgung Roms. Waren aus der ganzen Welt  wurden hier gelöscht und danach auf dem Tiber per Schiff weiter transportiert. Das war eine Voraussetzung die Versorgung der ganzen Bevölkerung wesentlich zu verbessern. Auch Ostia selbst wurde in der Regierungszeit Traians weiter ausgebaut und saniert.

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Ostia Antica
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Ostia Antica, Wohngebäude, Insula

Trajan und die Christenfrage

In der Regierungszeit Kaiser Trajans ist die erste bekannte Erörterung der Christenfrage in den Jahren 113 und 116 zu finden. Durch einen Briefwechsel zwischen Plinius des Jüngeren und Trajan (Plinius, epistulae X 96 f.) ist bekannt, dass es noch kein allgemein festgelegtes Verfahren gab, wie mit Christen umgegangen werden sollte. Plinius äußerte seine Unsicherheit darüber, wie er sich den Christen gegenüber verhalten sollte. Ihnen wurde vorgeworfen, dass sie nicht am Kaiserkult teilnahmen. Innerhalb des Briefwechsels findet allerdings keine inhaltliche Auseinandersetzung mit der neuen Religion statt, sie wird als Aberglaube abgewertet.  Es wird festgelegt, schwören Christen ab, bleiben sie straffrei, ein verbleiben in der Religion wird bestraft. Trajan regelte die Form des Prozesses und bestimmte, dass nur auf Anzeigen gegen Christen vorgegangen werden sollte. Die Antwort Trajans zeigt („conquerendi non sunt…“), das man in der Zentralbehörde in Rom, wegen der Christenfrage, nicht beunruhigt war (Plinius, epistulae X 97,2).  Die Antwort Trajans wurde in den späteren Jahren zur „rechtlichen Richtschnur“.

Die praktische Anwendung dieser „rechtliche Richtschnur“ beschrieb Eusebius von Caesarea in seiner Kirchengeschichte V 1 aus der Zeit als Bischof Eleutherus von Rom im Amt war.

Die gallischen Kirchen von Lyon und Vienne schrieben einen Brief an die Christen in Asien und Phrygien darin berichteten sie über die Christenverfolgung in Gallien.

[…] Als sie (sie) dann auf den Marktplatz geschleppt, hier von den Kommandanten und denn Häuptern der Stadt in Gegenwart der ganzen Menge verhört worden waren und ihren Glauben bekannten, wurden sie bis zur Vorladung vor den Statthalter in Haft gesetzt […]. Aber auch Heiden welche im Dienst der Unsrigen standen, wurden verhaftet, da der Statthalter die allgemeine Verordnung erließ, man müsse nach uns allen fahnden […]Das Hauspersonal hielt man nun unter der Folter an die Christen der Ritualtötung zu beschuldigen.

[…] Da der Kaiser in seinem Reskripte verordnete , die einen hinzurichten, die aber welche den Glauben verleugneten, frei zu geben, ließ der Statthalter zu Beginn des hiesigen großen Festes, zu welchem große Scharen von  Menschen […] zusammenströmen, die Heiligen zu Ehren der Masse in theatralischem Pomp vor seinen Richterstuhl führen, nach einem abermaligem Verhör lies er die welche sich als römische Bürger erwiesen, enthaupten, die übrigen aber wilden Tieren vorwerfen.[…] “

Diese „rechtlichen Richtschnur“ von Trajan blieb viele Jahrhunderte in Kraft.

Für Trajan jedoch blieb Rom der Mittelpunkt seines Wirkens. In dieser Stadt, an der Westseite des Forum Traiani schloss sich die Basilica Ulpia an und durch sie hindurch gelangte man auf einen kleinen Platz, in dessen Mitte sich die, anlässlich der Siege des Kaisers in Dakien, errichtete Ehrensäule erhebt. DSCN1515

Sie hat den Charakter einer Buchrolle, in 150 Bildern wurden zu propagandistischen Zwecken, die zwei Dakerfeldzüge dargestellt.   Später fand in deren Sockel  die vergoldete Ascheurne des Kaisers ihren Platz.

Hallo
Trajanssäule, Columna Traiana, Ehrensäule

Trajan galt als „optimus princeps“ der Beste in Rom, vor allem auf Grund seiner Baupolitik.

Auf dem Rückweg von seinem letzten Feldzug erkrankte Trajan. Er übergab seinem Neffen Hadrian den Oberbefehl über die römische Hauptarmee in Syrien und wollte nach Rom zurückfahren. In Rom bereitete der Senat den größten Triumphzug seit Augustus vor, doch Trajan starb  bereits am 08. August 117 in Selinus.

„[…]Er litt nämlich auch an einem Schlaganfall, so das ein Teil seines Körpers gelähmt war; außerdem wurde der ganze Leib von Wassersucht befallen. Nach seiner Ankunft im kilikischen Selinos, das wir auch Trajanopolis nennen, starb er eines plötzlichen Todes, […].“ (Cass. Dio 68,33,3)

Er wurde 64 Jahre alt und regierte 19 Jahre. Traian starb kinderlos und sein Tod wurde von der Kaiserin, der Witwe von Traian einige Tage verschwiegen, das die vermeintliche Adoption Hadrians bekannt gegeben werden konnte. Die entsprechenden Schreiben dazu an den Senat waren von Plotina, seiner Witwe unterzeichnet. Plotina hatte nach Cassius Dia eine „liebevolle Zuneigung“ zu Hadrian entwickelt. (Cass. Dio 69,1-4)

Seine Asche brachte man nach Rom. Nach dem Zwölftafelgesetz war es in Rom nicht gestattet, die Toten innerhalb der Mauern Roms zu bestatten. Doch mit einer Sondergenehmigung fand er im Sockel der großen Trajanssäule seine letzte Ruhe.

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Trajanssäule, Columna Traiana, Ehrensäule

Text © Heidi Göritz, Fotos: © C. u. H. Göritz

Quellen:

Cassius Dio: Römische Geschichte, Bd.V: Buch 68, übs. von O. Veh, Zürich 1985/1986.

Der Brief der Gemeinden von Lyon und Vienne (Eusebius h.e. V., 1-2)[4], in: Bibliothek der Kirchenväter zweite Reihe Bd. 1, (Hg.). Eberle u. a., übers. Haeuser, München 1932.

Plinius der Jüngere: Panegyrikus. Lobrede auf den Kaiser Trajan, hrsg. übers. u. erläut. von Kühn W., Darmstadt 1985.

Gaius Plinius Caecilius Secundus: Epistulae Briefe, ausw. u. übers. Loehning, C., München 1984.

Literatur:

Gerke, Hans-Joachim/Schneider, Helmuth (Hg.): Geschichte der Antike. Ein Studienbuch, Stuttgart 2006.

Nünnerich-Asmus (Hg.): Traian. Ein Kaiser der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit?, Mainz 2002.

Sontheimer, Walter: Alimenta, alimentari, in: Der kleine Pauly, Bd1, München 1979, Sp. 256 – 257.

 

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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  2. gunst01 sagt:

    Hat dies auf Die Goldene Landschaft rebloggt.

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